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Fazit eines „verlorenen Kriegs“ – Konfliktforscher zum Nato-Abzug aus Afghanistan

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Fazit eines „verlorenen Kriegs“ – Konfliktforscher zum Nato-Abzug aus Afghanistan

Fazit eines „verlorenen Kriegs“ – Konfliktforscher zum Nato-Abzug aus Afghanistan

Seit Beginn des Abzugs der internationalen Truppen aus Afghanistan melden sich die Taliban mit immer heftigeren Offensiven zurück. Für viele Beobachter ist… 28.05.2021, SNA

2021-05-28T09:15+0200

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Die Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe (ISAF) in Afghanistan war zunächst auf sechs Monate befristet und hatte das Ziel, „die vorläufigen Staatsorgane Afghanistans bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit in Kabul und seiner Umgebung so zu unterstützen, dass sowohl die vorläufige afghanische Regierung als auch Personal der Vereinten Nationen in einem sicheren Umfeld arbeiten können“, wie aus dem entsprechenden Antrag der Bundesregierung hervorgeht.Am 7. Oktober 2021 jährt sich der US-Einmarsch in das Land zum 20. Mal. Ab Januar 2002 beteiligte sich dann auch die Bundeswehr aktiv an dem Einsatz. Jahr für Jahr wurde das Bundestagsmandat daraufhin verlängert und ausgeweitet.Das 20-jährige Jubiläum werden die Nato-Soldaten aber voraussichtlich nicht mehr in Afghanistan begehen. Der Abzug der rund 10.000 Nato-Soldaten aus dem zentralasiatischen Land soll bis spätestens 11. September vollzogen sein, wie US-Präsident Joe Biden bekanntgab. Dem US-Militär zufolge seien bereits rund 13 bis 20 Prozent des gesamten Prozesses abgeschlossen.Die deutsche Beteiligung an dem Kriegseinsatz war im Bundestag damals heftig umstritten. Bundeskanzler Gerhard Schröder fühlte sich gar gezwungen, eine Vertrauensfrage zu stellen, die er nur knapp für sich entscheiden konnte.Nur mit militärischer Gewalt?„Krieg trifft Unschuldige. Das ist keine Frage. Aber das Beispiel Afghanistan zeigt: Nur mithilfe militärischer Gewalt konnte verhindert werden, dass auch in Zukunft Unschuldige unendlich leiden müssen“, sagte Schröder im Dezember 2001 im Bundestag.Doch mit dem Abzug der internationalen Truppen wird das Gegenteil deutlich: Die Kriegsziele seien nicht erreicht worden – dabei sei viel Leid hinterlassen worden, kritisiert der Verteidigungsexperte der Linksfraktion im Bundestag, Tobias Pflüger.Und die Bilanz des Krieges in der Region ist in der Tat erschütternd: Laut dem Watson Institute starben bis 2019 rund 3600 Koalitionssoldaten, darunter 59 Soldaten der Bundeswehr. 71.000 Tote gab es auf Seiten der afghanischen Regierungstruppen. 67.000 bis 72.000 Tote werden auf Seiten der Taliban geschätzt. Schätzungen der zivilen Todesopfer gehen von 40.000 bis in die Hunderttausende, mit weitaus höheren Zahlen an Verwundeten.„Gerhard Schröder hat damals einen riesen Bullshit erzählt, warum man da einmarschiert ist“, empört sich Pflüger. Der Einmarsch nach Afghanistan sei unter dem Vorwand erfolgt, den weltweiten Terrorismus zu bekämpfen. „Aber man hat Osama Bin Laden mit einer Kommando-Operation in Pakistan getötet.“Der verlorene Krieg der Nato?Friedensforscher Thomas Roithner von der Universität Wien glaubt durchaus, dass man von einem verloreneren Krieg sprechen kann. Vor allen Dingen seien die Menschen in Afghanistan die Verlierer des jahrzehntelangen Konflikts. Weder die Sicherheits- noch die Bildungs- oder die Gesundheitssituation hätten sich für die Bevölkerung verbessert. „Wir sehen, dass dieser Krieg nicht das gebracht hat, was vorgegeben wurde“, sagt auch er im SNA-Interview.Verhandlungen mit den TalibanSeiner Ansicht nach hätten die westlichen Akteure viel zu wenig auf Dimensionen abseits des Militärs gesetzt. Insofern habe man die Afghanen im Stich gelassen, bemängelt Roithner.So seien die Taliban aus seiner Sicht in der Region ein Faktor, der nicht zu umschiffen sei. „Ob uns das gefällt oder nicht.“Vor allem auf Druck von US-Präsident Donald Trump wurden Verhandlungen mit den Taliban gestartet, die am 28. Februar 2020 in Doha zu einem Abkommen mit den Islamisten führten. Das Abkommen wurde fast zwei Jahre verhandelt und sollte einen Abzug der US-amerikanischen Truppen aus Afghanistan einleiten. Im Gegenzug sollten die Taliban Garantien geben, dass das Land kein sicherer Hafen für Terroristen wird. Außerdem sollten sie Friedensgespräche mit der Regierung in Kabul aufnehmen.Zwar zeigt sich der Linke-Politiker Pflüger froh über den Abzug der Bundeswehr. Gleichzeitig sei für ihn klar, dass die Taliban nach dem Abzug der Nato weite Bereiche des Landes übernehmen werden.Pflüger glaubt, es sei ein Fehler gewesen, dass die westlichen Staaten zu spät und nur mit den Taliban verhandelt hätten. „Politisch waren Verhandlungen mit den Islamisten zunächst nicht gewollt.“ Als die Koalition unter der US-Führung nur mit den Taliban Gespräche aufgenommen hatte, habe man damit vorgegeben, wer die Gesellschaft in Afghanistan mitgestaltet, so der Abgeordnete.Fazit eines KriegesEr fordert: „Der Bundeswehreinsatz in Afghanistan muss von vorne bis hinten evaluiert werden. Die Lehre daraus wäre, zu sagen: es ist völliger Wahnsinn, sich an solchen Einsätzen zu beteiligen. Das sollte man einfach sein lassen und die Bundeswehr zurückziehen aus allen Auslandseinsätzen.“Auch Thomas Roithner zieht folgendes Fazit:Das Militär habe dafür unzureichende Instrumente in seinem Werkzeugkasten, so der Konfliktforscher.

https://snanews.de/20210502/nato-abzug-afghanistan-1941913.html

https://snanews.de/20210417/bundeswehreinsatz-in-afghanistan-kostete-ueber-121-milliarden-euro-1744577.html

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Seit Beginn des Abzugs der internationalen Truppen aus Afghanistan melden sich die Taliban mit immer heftigeren Offensiven zurück. Für viele Beobachter ist damit der längste Nato-Einsatz der Geschichte gescheitert. Befürchtungen von Gegnern des Einsatzes wurden größtenteils wahr. Friedensforscher sind indes nicht überrascht.

Die Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe (ISAF) in Afghanistan war zunächst auf sechs Monate befristet und hatte das Ziel, „die vorläufigen Staatsorgane Afghanistans bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit in Kabul und seiner Umgebung so zu unterstützen, dass sowohl die vorläufige afghanische Regierung als auch Personal der Vereinten Nationen in einem sicheren Umfeld arbeiten können“, wie aus dem entsprechenden Antrag der Bundesregierung hervorgeht.

Am 7. Oktober 2021 jährt sich der US-Einmarsch in das Land zum 20. Mal. Ab Januar 2002 beteiligte sich dann auch die Bundeswehr aktiv an dem Einsatz. Jahr für Jahr wurde das Bundestagsmandat daraufhin verlängert und ausgeweitet.

US-Polizist Joseph Lemm, in Afghanistan getötet - SNA, 1920, 02.05.2021

Das 20-jährige Jubiläum werden die Nato-Soldaten aber voraussichtlich nicht mehr in Afghanistan begehen. Der Abzug der rund 10.000 Nato-Soldaten aus dem zentralasiatischen Land soll bis spätestens 11. September vollzogen sein, wie US-Präsident Joe Biden bekanntgab. Dem US-Militär zufolge seien bereits rund 13 bis 20 Prozent des gesamten Prozesses abgeschlossen.

Die deutsche Beteiligung an dem Kriegseinsatz war im Bundestag damals heftig umstritten. Bundeskanzler Gerhard Schröder fühlte sich gar gezwungen, eine Vertrauensfrage zu stellen, die er nur knapp für sich entscheiden konnte.

Nur mit militärischer Gewalt?

„Krieg trifft Unschuldige. Das ist keine Frage. Aber das Beispiel Afghanistan zeigt: Nur mithilfe militärischer Gewalt konnte verhindert werden, dass auch in Zukunft Unschuldige unendlich leiden müssen“, sagte Schröder im Dezember 2001 im Bundestag.

Doch mit dem Abzug der internationalen Truppen wird das Gegenteil deutlich: Die Kriegsziele seien nicht erreicht worden – dabei sei viel Leid hinterlassen worden, kritisiert der Verteidigungsexperte der Linksfraktion im Bundestag, Tobias Pflüger.

Bundeswehr-Soldat in Afghanistan (Archivbild) - SNA, 1920, 17.04.2021

Und die Bilanz des Krieges in der Region ist in der Tat erschütternd: Laut dem Watson Institute starben bis 2019 rund 3600 Koalitionssoldaten, darunter 59 Soldaten der Bundeswehr. 71.000 Tote gab es auf Seiten der afghanischen Regierungstruppen. 67.000 bis 72.000 Tote werden auf Seiten der Taliban geschätzt. Schätzungen der zivilen Todesopfer gehen von 40.000 bis in die Hunderttausende, mit weitaus höheren Zahlen an Verwundeten.

„Gerhard Schröder hat damals einen riesen Bullshit erzählt, warum man da einmarschiert ist“, empört sich Pflüger. Der Einmarsch nach Afghanistan sei unter dem Vorwand erfolgt, den weltweiten Terrorismus zu bekämpfen. „Aber man hat Osama Bin Laden mit einer Kommando-Operation in Pakistan getötet.“

Der verlorene Krieg der Nato?

„Man kann nicht diesen Begriff benutzen, gewonnen oder verloren. Aber es ist völlig offensichtlich, dass die Nato da überhaupt nicht, das, was sie vorgegeben hat, erreicht hat. Es ist ein riesen Schlammassel, was man da verursacht hat.”

Tobias Pflüger

MdB, Die LINKE, Verteidigungspolitischer Sprecher

Friedensforscher Thomas Roithner von der Universität Wien glaubt durchaus, dass man von einem verloreneren Krieg sprechen kann. Vor allen Dingen seien die Menschen in Afghanistan die Verlierer des jahrzehntelangen Konflikts. Weder die Sicherheits- noch die Bildungs- oder die Gesundheitssituation hätten sich für die Bevölkerung verbessert. „Wir sehen, dass dieser Krieg nicht das gebracht hat, was vorgegeben wurde“, sagt auch er im SNA-Interview.

Verhandlungen mit den Taliban

Seiner Ansicht nach hätten die westlichen Akteure viel zu wenig auf Dimensionen abseits des Militärs gesetzt. Insofern habe man die Afghanen im Stich gelassen, bemängelt Roithner.

So seien die Taliban aus seiner Sicht in der Region ein Faktor, der nicht zu umschiffen sei. „Ob uns das gefällt oder nicht.“

Vor allem auf Druck von US-Präsident Donald Trump wurden Verhandlungen mit den Taliban gestartet, die am 28. Februar 2020 in Doha zu einem Abkommen mit den Islamisten führten. Das Abkommen wurde fast zwei Jahre verhandelt und sollte einen Abzug der US-amerikanischen Truppen aus Afghanistan einleiten. Im Gegenzug sollten die Taliban Garantien geben, dass das Land kein sicherer Hafen für Terroristen wird. Außerdem sollten sie Friedensgespräche mit der Regierung in Kabul aufnehmen.

Hillary Clinton - SNA, 1920, 30.04.2021

Zwar zeigt sich der Linke-Politiker Pflüger froh über den Abzug der Bundeswehr. Gleichzeitig sei für ihn klar, dass die Taliban nach dem Abzug der Nato weite Bereiche des Landes übernehmen werden.

Pflüger glaubt, es sei ein Fehler gewesen, dass die westlichen Staaten zu spät und nur mit den Taliban verhandelt hätten. „Politisch waren Verhandlungen mit den Islamisten zunächst nicht gewollt.“ Als die Koalition unter der US-Führung nur mit den Taliban Gespräche aufgenommen hatte, habe man damit vorgegeben, wer die Gesellschaft in Afghanistan mitgestaltet, so der Abgeordnete.

Fazit eines Krieges

Er fordert: „Der Bundeswehreinsatz in Afghanistan muss von vorne bis hinten evaluiert werden. Die Lehre daraus wäre, zu sagen: es ist völliger Wahnsinn, sich an solchen Einsätzen zu beteiligen. Das sollte man einfach sein lassen und die Bundeswehr zurückziehen aus allen Auslandseinsätzen.“

Auch Thomas Roithner zieht folgendes Fazit:

„Wir müssen darüber nachdenken, ob man Frieden mit militärischen Mitteln überhaupt schaffen kann. Und wir sehen nicht in Afghanistan, sondern an einer ganzen Reihe weitere Beispiele, wo das schlicht nicht gelingt oder völlig unzureichend gelingt.“

Thomas Roithner

Friedensforscher, Universität Wien

Das Militär habe dafür unzureichende Instrumente in seinem Werkzeugkasten, so der Konfliktforscher.

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